Schon öfter lief mir ein Zitat über den Weg, das mich immer wieder von neuem nachdenken lässt: „Am Ende wird alles gut. Wenn nicht alles gut ist, ist es auch nicht das Ende“. Wer diesen schlauen Spruch ursprünglich von sich gegeben hat, ist unklar. Bei meiner Google-Recherche nach der Quelle fallen die Namen Oscar Wilde, John Lennon und Paulo Coelho, einem brasilianischen Autor. Wer auch immer es war, ich frage mich, in welcher Situation sie steckten, als die Formulierung geboren wurde. Waren sie in einer Tiefphase ihres Lebens? Oder vielleicht auf dem aufsteigenden Ast, aber noch nicht zufrieden? Reicht dann so ein Spruch, um wirklich überzeugt davon zu sein, dass alles mal gut wird?
Oft stellt das Leben uns vor Herausforderungen, von denen wir nicht wissen, wie sie ausgehen. Manchmal fällt es uns leichter, manchmal schwerer den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Der bekannte leap of faith kann uns zu Höhenflügen verhelfen oder dafür sorgen, dass wir so richtig auf die Schnauze fallen. Es erfordert Mut Vertrauen in etwas zu setzen, wovon man nicht überzeugt ist. Man geht ein hohes Risiko ein, in der Hoffnung, dass alles einen guten Ausgang nimmt.
Es gibt aber keine Garantie dafür, dass sich das Vertrauen, das man in jemanden oder etwas setzt, lohnt. Das macht Angst. Und doch müssen wir es manchmal wagen. Das wenigste läuft ab, wie wir es uns gerne wünschen. Andere spielen oft nicht nach unseren Regeln. Unsere Vorstellungen werden enttäuscht, nicht erfüllt oder sogar ganz zunichte gemacht. Die Frage ist, wann es Sinn macht dranzubleiben. Woher weiß man, dass es noch weitergeht, sich die Mühe lohnt, auch wenn es noch so viel Kraft kostet?
Vielleicht ist das volle Fass Vertrauen auch irgendwann mal aufgebraucht, weil es verlorener Liebesmüh zum Opfer gefallen ist. Und wenn das so ist, wie bekommt man es wieder aufgefüllt? Die Überwindung ist groß in etwas Vertrauen zu setzen, wenn die Zweifel so groß sind. Selbst wenn sie klein sind, bleibt die Unsicherheit das Richtige oder Falsche zu tun. Aber was ist im Leben schon sicher? Auch im Sommer scheint die Sonne nicht ununterbrochen und es regnet mal. Sprechen wir ihm deshalb ab die schöne warme Jahreszeit zu sein? Nein, unterm Strich bleibt der Sommer der Sommer, mit all seinen Höhen und Tiefen.
Dennoch hemmt uns der Wunsch nach einem sorglos perfekten Leben oft Täler zu durchwandern und den nächsten Gipfel zu erklimmen, weil es viel anstrengender ist weiterzulaufen als einfach umzudrehen oder in die Gondel zu steigen. Wir geben Freundschaften, Ausbildungen, Liebschaften und Hobbys auf, weil sie uns zu viel werden. Ersatz zu finden ist nicht schwer. Auf der anderen Seite soll man sich natürlich auch nicht aufopfern, sein eigenes Ich zu weit zurückstellen und dabei leiden.
Es ist ein schmaler Grad zwischen Gipfelerklimmung und Absturz. Was zeigt uns, dass es Zeit ist aufzuhören, um größeren Schaden zu verhindern? Die Antwort ist simpel. Nichts und niemand. In diesen Entscheidungen sind wir ganz alleine mit uns selbst. Kein anderer kann so fühlen und denken wie wir selbst. Die Ungewissheit wird immer bleiben, der aufzubringende Mut nie weniger werden und auch das Risiko nicht schrumpfen. Ist der Gipfel aber bestiegen und die Sicht wolkenfrei, dann weiß man, es war gut so. Und wenn der Blick noch wolkenverhangen ist, kommt da vielleicht noch ein höherer Gipfel, den man in Angriff nehmen muss.